Diesen Satz höre ich regelmäßig von Frauen, wenn sie vor mir am Schreibtisch in der Beratung sitzen. Der Anlass ist meistens nicht erfreulich: Entweder, es geht um die Trennung vom Partner oder jemand ist gestorben. Wir sprechen über die finanzielle Ist-Situation der Frau oder besser, ich frage nach Details. Und dann kommt er, der Satz. „Wissen Sie, Geld hat mich eigentlich noch nie interessiert.“
An dieser Stelle zucke ich zumeist innerlich zusammen. Ja, auch noch nach über dreißig Jahren als Anwältin. Wie kann es sein, dass uns Frauen (ich war früher ähnlich drauf) das Thema Finanzen so gar nicht interessiert. Dass wir, wann immer das Gespräch sich um das liebe Geld dreht, abschalten und uns einreden: Hauptsache gesund! So, als würden sich Gesundheit und Geldbewusstsein von Vornherein ausschließen.
Glaubenssätze zum Thema Geld
Kennst du die Glaubenssätze „Geld allein macht auch nicht glücklich!“ oder „Über Geld spricht man nicht!“ Dicht gefolgt von „Geld verdirbt den Charakter!“ Ich bin mit solchen Sätzen aufgewachsen und ehrlich, das alles ist totaler Quatsch. Je schneller du diese falschen Phrasen ablegst, umso besser. Geld ist neutral und mir ist in meinem ganzen Leben noch niemand begegnet, dem Reichtum geschadet hat. Ich kenne auch keinen, der aufgrund eines zu hohen Kontostands erkrankt ist und ja, man kann auch reich sein und ein guter Mensch.

Wer kümmert sich um das Thema Geld?
Es ist keine Raketenwissenschaft, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen. Es ist wichtig, über die eigene finanzielle Situation Bescheid zu wissen. Wie oft frage ich selbstständige Frauen, was sie im Monat nach Steuern, Kranken-/Pflegeversicherung und Altersvorsorge zur Verfügung haben und erhalte ein Schulterzucken als Antwort. Darum kümmert sich mein Steuerberater, sagen die einen. Mein Mann erledigt die Finanzen, antworten die anderen.
Und was passiert, wenn der Mann sich trennt oder stirbt? Passiert mir nicht, sagst du vielleicht. Tja nun. Interessante Wette mit dem Universum. Du möchtest nicht wissen, wie viele Frauen in den letzten über dreißig Jahren vor mir gesessen haben, weinend, wütend über sich selbst und ihre Naivität. Und ehrlich: Auch wenn du in der besten Partnerschaft ever lebst, was ich dir von Herzen wünsche. Kümmere dich um deine Finanzen! Gib dieses Thema nicht an andere Menschen ab. Und hör auf, dir einzureden, dass du zu dumm dafür bist. Dumm wäre, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen.
So kanns schiefgehen
In meinem Roman „Frühlingswellen“ muss Henrike zurück zu ihrer Mutter, weil sie sich in Geldangelegenheiten auf ihren Partner verlassen hat. Keine gute Idee, auch wenn ihr Zuhause auf Sylt ist.

Über die Autorin: Katharina Mosel
Katharina Mosel ist eine echte Hamburger Deern. Aufgewachsen in Schleswig-Holstein, lebt und arbeitet sie heute in Köln. In ihren Wohlfühlromanen nimmt sie ihre Leserschaft mit in ihre Heimat Norddeutschland, am liebsten auf ihre Lieblingsinsel Sylt. Mut zur Veränderung ist das Thema, das die Autorin und ihre Figuren im besten Alter bewegt. Natürlich darf dabei die Liebe nicht zu kurz kommen. Begleitet wird Katharina Mosel von einer pinkfarbenen Ente, die mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Sie erinnert die Autorin und ihre Figuren stets daran, dass es nie zu spät ist, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

